Bei mir gibt es die 100% Garantie für den "Aha-Moment"
illuskills trainer talk #1 mit Ida Kronika
Ida ist Künstlerin und seit über 10 Jahren Trainerin bei illuskills. Ida ist eine Allrounderin, versiert in allen darstellerischen und künstlerischen Techniken. Die illuskills-Teilnehmer*innen lieben Ida für ihre freundliche Persönlichkeit, ihre Toleranz gegenüber allen künstlerischen Ausdrucksformen und den Umgang auf Augenhöhe.
Kathi: Wie du weißt, wollen wir unsere illuskills Trainer*innen vorstellen. Liebe Ida, möchtest du über dich und deinen Werdegang erzählen?
Ida: Mein Name ist Ida Kronika und ich bin gebürtige Lettin. Schon in meiner Kindheit war ich umgeben von Kunst. Ich erinnere mich, meine Mutter und meine Tante haben mich schon als Kleinkind die Wände und Möbel in unserer Wohnung bemalen lassen. Meine Mutter ist mir früh für Portraits Modell gesessen. Ich wusste als Kind bereits, dass ich Künstlerin sein werde.
Ich war später auf einem jüdischen Gymnasium und hatte privat Zeichenunterricht. Das war nötig um mich für die Kunstakademie Lettlands vorzubereiten. Die Aufnahmeprüfungen waren sehr schwer und haben ein hohes Niveau vorausgesetzt.
So bin ich durch harte Arbeit an der Akademie in Riga gekommen. Ich bin sozusagen eine akademische Laufbahn gegangen – was das bedeutet und wie es im Leben hilft, sei dahingestellt. Ich bin diplomierte Grafikkünstlerin. Während meines Studiums wurde ich in klassischen Techniken ausgebildet. Lithographie, Holzschnitt, Linolschnitt, Radierung & Co. Ich musste lernen, sehr genau zu arbeiten. Die Kopf-Hand Verbindung ist bei diesen Techniken sehr stark.
Das war nicht immer leicht, im Nachhinein ging das Zeichnen aber locker von der Hand. Wenn man zuerst im Holz "zeichnen" lernt, ist die Hand anders trainiert. Dann klappt es auf Papier schnell.
Ergänzend zum praktischen Teil, kam das theoretische Studium der "Kunsttheorie und Kunstgeschichte" hinzu
Nachdem ich meinen Abschluss hatte, wurde ich quasi ins Leben entlassen. Ich konnte mir auf der Akademie aber ein tolles Netzwerk aufbauen. Leider in Lettland, das habe ich später zurücklassen müssen, als ich nach Wien gegangen bin.
Wie kam es dazu?
Eine Freundin hat mir von dem "Artist In Residence" Programm erzählt. Das war ein Wettbewerb von "Kulturkontakt Austria" um ein Stipendium und ein Atelier, ganz der Nähe von meinem heutigen. Dort bin ich als künstlerische Fotografin angetreten, auch eine meiner Interessen und Stärken - Fotografie als Technik. Durch Fotografie habe ich viel über Gestaltung und Komposition gelernt.
Zum Glück habe ich den Wettbewerb gewonnen. Es war nicht geplant nach Wien zu ziehen, anfangs wollte ich auch nicht bleiben. Ich dachte ich bin für zwei Wochen in Österreich und nehme an Workshops teil – aber nein. Es war ein dreimonatiger Aufenthalt, mit mehreren Ausstellungen die ich vorbereiten musste. Ich war ganz überwältigt, aber es war toll. Die Ausstellungen waren im Museumsquartier, in der lettischen Botschaft. Alles war sehr nobel und offiziell.
Diese Linie hat mir aber nicht gefallen, ich wollte nicht "die lettische Künstlerin" sein, die vorrangig Migrantin ist. Das war nie ein wichtiges Motiv meiner Kunst. So wurde es geframed, da Lettland zu dem Zeitpunkt nicht Teil der EU war. Die lettische Schiene wollte ich nicht weiterfahren. Ich bin stolz auf meine Herkunft aber ich wollte in keine Schublade gesteckt werden.
illuskills
Wie ging es danach weiter?
Ich bin aus privaten Gründen geblieben. Zu Beginn hatte ich Probleme wegen der sprachlichen Barriere. Ich konnte mich nicht gut ausdrücken und hatte keine Peer Group. Ich habe Anschluss in Wien gesucht und irgendwo einen illuskills Sticker gesehen.
Nana hat damals einen Contest abgehalten. Die Person mit der besten Mappe durfte ein beliebiges Seminar besuchen. Ich habe gewonnen und den Lehrgang "Live Art History" gewählt. Zuerst als Teilnehmende, dann als Assistentin und am Schluss war ich Leiterin. Ich bin der glücklichste Mensch auf Erden, dass ich dieses Seminar besuchen durfte.
Nana ist sehr aufmerksam und hat schnell gemerkt, wie motivierend die Inhalte für mich waren – davor war Theorie und Experimentelles für mich getrennt, danach war die Verbindung wieder da.
Wie lange ist das her?
Ich glaube, das war im Semester 2011/12. Wahnsinn, wie die Zeit vergeht. Seither unterrichte ich bei euch. Ich freue mich immer wieder bei euch zu sein. Vor allem nach der COVID-19-Pause.
Worin siehst du den Vorteil von Unterricht in Person gegenüber online Angeboten?
Im Seminar kann man gemeinsam eine Atmosphäre schaffen und sie spüren. In der Gruppe unterstützen wir einander. Viele Teilnehmer*innen brauchen das. Sie kommen blockiert oder glauben nicht an sich. In der Gemeinschaft finden Sie die Unterstützung.
Materiallehre ist mir enorm wichtig. Da sehe ich den größten Unterschied. Taktile Übungen müssen sein – Personen sollen das Papier berühren, an den Dingen riechen können. In einer Gruppe werden alle Materialien geteilt und getauscht.
Worauf kann man sich einstellen, wenn man eines deiner Seminare besucht?
Ich unterrichte Art Basics - Bei mir lernt man die Natur zu beobachten und abzuzeichnen. Es gibt so viele Barrieren, warum Leute nicht sehen. Sie schauen, aber sehen nicht. Ich gebe ihnen dabei die Hilfestellung die sie benötigen. Zweitens kann man sich auf intensive Materiallehre freuen. Ich mache ganz verschiedene Aufgaben, die auflockernd, verrückt und überraschend sind.
Kannst du mir ein Beispiel nennen?
Flow-Übungen bei denen man zeichnet ohne die Hand vom Blatt zu nehmen. Wir schauen uns Bilder an die auf dem Kopf stehen. Wir üben wie man Feedback gibt, sich selbst und anderen Personen.
Bei illuskills verbringt man intensive Arbeitszeit. Das ist für mich auch immer sehr inspirierend. Wir lernen voneinander. Nicht nur: Ich bin die Heilige. Es kommen verschiedenste Leute mit ihren individuellen Backgrounds. Alles wird in der Gruppe geteilt.
Ich glaube, ich habe beim Unterrichten genauso viel gelernt wie gelehrt.
Worauf ich mich noch freue, sind die "Aha-Momente". Die kommen auch erst, wenn man Zeit miteinander verbracht hat und einen gemeinsamen Zugang findet. Irgendwann macht es "Klick" und Menschen können sehen wie Künstler*innen. Nach diesen Klick-Momenten bin ich richtig süchtig. Jede*r der/die es wirklich wollte, hat das bei mir gefunden. Bei mir gibt es die 100% Garantie für den ‚Aha-Moment‘.
Arbeit als Künstlerin
Welche künstlerischen Einflüsse haben dich in deiner Arbeit geprägt?
Ich glaube, wenn man sich Jahrzehnte damit befasst, ist es schwer sich zurückzuerinnern. Es waren weniger die äußeren Einflüsse bei mir. Es kam aus meinem Inneren heraus, der Drang zu schaffen.
Ich habe mich immer verändert. Zu Beginn war ich Fotografin, dann habe ich realistisch gezeichnet. Von den akademischen Techniken ausgehend hat mich plötzlich das Weltall und Science-Fiction interessiert und beeinflusst. Bis hin zu den Linien der Natur – alles war dabei.
Wie kann man sich deinen Arbeitsprozess vorstellen?
Zweierlei. Also in den Prozess darf ich nicht mich einmischen oder planen, sondern ich muss frei arbeiten.
Ich habe aber genauso meine Krisen und brauche Wegweisung. Ich mache mir dann Gedanken, wohin ich gewisse Projekte lenken will. Entweder mit einem Vision-Board oder mit Journal Einträgen. Ich habe über die Jahre viele Bücher mit meinen Ideen gefüllt, Seiten mit Zeichnungen oder Collagen gestaltet Das hilft mir auch bei der Ideenfindung.
Wenn Ausstellungen anstehen, plane ich sehr intensiv.
Was ist das Beste und das Schlimmste an deiner Arbeit?
Das Beste ist, wie erfüllend es ist. Es ist ein Weg fürs Leben. Du findest zu dir selbst, zu deinem Glück.
Womit ich selber immer wieder kämpfe, ist materielle Unsicherheit, persönliche Zweifel oder Unzufriedenheit. Ich musste hart an mir arbeiten und lernen damit umzugehen.
Ich finde, das Schlimmste ist Wettbewerb und Konkurrenz. Man sollte das eigene Konkurrenzdenken verbannen. Mein Rat ist, sich nicht zu vergleichen. Den Vergleich mit anderen Menschen musste ich auslöschen und das habe ich getan.
Als Jugendliche hat mich der Vergleich angespornt, wie beim Sport. Als Erwachsene sage ich: Das ist mehr Gift als Medizin. In meiner Branche vergleichen sich alle und stehen im Konkurrenzkampf miteinander.
Neben deinem Schaffen als Künstlerin bist du auch Lehrerin. Ist das für dich ein Spannungsfeld,
zwischen Leidenschaft und Brotjob?
Meine beiden Berufe sind in vielen Dingen ähnlich. Sie begünstigen einander. Wenn sie sehr verschieden wären, wäre es bestimmt strapazierend.
Das Unterrichten ist für mich ausgleichend. Das kreative Umfeld und die kreativen Menschen tun mir sehr gut. Das fließt sehr natürlich. Das ist etwas, was sich von beiden Seiten unterstützt. Ja, es erfüllt mich, mein Wissen zu teilen. Es wird nur mehr, wenn ich es teile.
Ehrlich gesagt ist es toll, wenn du Geld mit deiner Berufung verdienen darfst.
Wenn du dein Geld im Beruf verdienst, hast du weniger Zeit für die Berufung. Mich hat das nicht glücklich gemacht, ich habe aber nicht aufgegeben. Ich habe viele Jobs gemacht, ich habe beispielsweise auch in einem Altersheim gearbeitet. Spannend, welche Stadien man als Mensch durchläuft.
Man soll lernen, an sich zu glauben. Ich würde keiner Person raten alles hinzuschmeißen, sondern dafür zu kämpfen.
In Österreich ist es machbar. Wir können hier von Glück sprechen, dass es staatliche Unterstützung und Förderungen gibt. In vielen anderen Ländern ist das nicht der Fall.
Kreative Community
Wir haben vorher darüber gesprochen, dass du Anfangs in Wien keine Community hattest. Wie sieht das heute aus?
Für mich als Künstlerin ist eine Community lebensnotwendig, obwohl ich im kreativen Schaffen introvertiert bin. Ich brauche dennoch Unterstützung, Austausch und Feedback. Vor allem in Momenten von Blockaden.
Das Thema bespreche ich immer in meinen Unterrichtsgruppen. Es braucht auch nicht gleich eine riesige Gemeinschaft sein. Es reicht, mit einem*r Freund*in zusammen zu zeichnen. In meinen Seminaren haben sich immer Gruppen gefunden.
Ich arbeite auch an der Kunst VHS, da habe ich auch tolle Menschen kennen gelernt. Ich fühle mich dort sehr wohl, als Künstlerin darf ich dort auch eigene Werke ausstellen. Die VHS ist auch Teil meiner Community.
Als Anfänger*in ist es wichtig, sich zu schützen. Man muss darauf bedacht sein, ein positives Umfeld zu schaffen, um sich gegenseitig zu unterstützen. Deswegen sind Zeichner*innentreffs eine super Gelegenheit, kreative Menschen ungezwungen kennenzulernen.
Welchen Tipp hättest du gebraucht, als du noch am Anfang standest?
Ich bin sehr froh, dass mein Leben war, wie es war. Jetzt bin ich dankbar für alle negativen wie positiven Ereignisse. Sie haben mich stärker, interessanter und kreativer gemacht.
Der beste Tipp ist, sich bei der Arbeit nicht zu kritisieren. Null Selbstkritik im kreativen Prozess. Wenn das Werk fertig ist, dann kann man kritisieren.
Aber beim Schaffen muss man einen Raum haben, wo die Selbstkritik gar keinen Platz haben darf. Ich habe immer meine "Wonder Woman" Figur, die über meinem Arbeitsplatz wacht, und die Selbstkritik killt. Ich habe auch eine Figur für meinen Kritiker. Mir hat es geholfen, diese inneren Stimmen zu visualisieren. Gut vs. Böse im inneren Dialog.
Wenn ich mich mit einem Motiv überfordert fühle, gehe ich zum Objekt zurück. Weg von mir, hin zum Objekt. Wenn ich einen Apfel male und unzufrieden bin, konzentriere ich mich nicht auf die schwachen Linien, sondern denke an den Apfel. Zurück zum Ding.
Wo findet man dich und deine Kunst? Auf Social Media?
Ja, natürlich. Ich habe einen Instagram Account, dort poste immer wieder aktuelle Arbeiten. Ansonsten nutze ich Facebook und habe eine Website.
Ich veranstalte auch "Ida’s Open Atelier". Da können Personen zu mir in den 2. Bezirk kommen und sehen wie ich arbeite. Das mag ich besonders gerne und freue mich immer über Besuch.
Ida, vielen Dank für das Gespräch
Sicher, immer gerne.