Vom Zeichnen zum Grafikdesign, zur Werbung und wieder retour

Ulrich Fuchs

illuskills alumni talk #3 mit Ulrich Fuchs

Ulrich ist selbständiger Designer und Illustrator, lebt und arbeitet in Wien. Seine mini Odyssee führte ihn letztendlich zu seiner Leidenschaft zurürck - zum Zeichnen.

Kathi: Wie kam es, dass du heute Illustrator bist?

Ulrich: Wie viele, habe ich als Kind schon gezeichnet. Da fällt mir das "Lustige Taschenbuch" ein, Mickey Mouse oder Donald Duck. Ich erinnere mich, ich wollte wie Carl Barks sein, der Disneyzeichner. Die Figuren haben mich damals total begeistert.

Im Laufe der Jahre hat sich mir die Frage gestellt, ob ich dieser Faszination nicht nachgehen möchte. Ich habe als Jugendlicher die Grafik HTL in Linz besucht. Dort lag der Fokus auf der Ausbildung als Grafikdesigner. Nach einem kurzen Gastspiel an der Hauptuniversität in Wien, bin ich auf der Werbeakademie gelandet. Dort habe ich Nana Swiczinsky kennengelernt.

Mir hat der berufsbezogene Ansatz an der Werbeakademie mehr zugesagt, als der Künstlerische an der HTL. Mit meinem eher illustrativen Stil habe ich da auch besser hineingepasst.

Danach habe ich in einer Werbeagentur gearbeitet, als Grafiker und später Art Director. Ich habe schnell gemerkt, dass ich nicht nur Werbung machen will.

Deshalb habe ich mich selbständig gemacht. Klassisches Grafikdesign war nach einigen Jahren auch nicht das Wahre. Ich wollte zurück zu meinen Anfängen, als ich gern gezeichnet habe. So bin ich zu illuskills gekommen. Ich habe den Entschluss gefasst, ich will mehr. Mehr machen und mehr können.

illuskills

Wie hast du von illuskills erfahren?

Durch Nana. Ich kannte sie von der Werbeakademie und wusste, wie sie arbeitet. "Digital Art" war mein erstes Seminar. Die Trainer waren Erkan Karagöz, Bernd Ertl und Michael Pleesz. Ich hatte zwar Vorwissen, aber womit ich am Ende hinausgegangen bin, war verrückt.

Ich hatte die Möglichkeit, Profis zuzusehen und deren Rezepte zu übernehmen. Ich habe oft Fragen gestellt, wollte so viel mitnehmen wie möglich.

Ein Jahr darauf habe ich den Anatomiekurs belegt, ebenfalls bei Erkan. Da habe ich gesehen, wie Dinge plötzlich funktioniert haben, die ich davor nicht konnte.

Das möchte ich wirklich betonen. Die Qualität der Trainer*innen. Das zeichnet illuskills meiner Meinung nach aus. Die Praxisnähe der Trainer*innen und ihr Wissen, dass sie mit den Teilnehmer*innen gerne teilen. Vor Ort Fragen zu stellen, direkt die Lösung eines Problems angehen zu können. Das ist euer Trumpf.

Gibt es ein Beispiel für den Vorher/Nachher Effekt?

Ja, da gibt es eine Illustration von "Twin Peaks". Vor illuskills habe ich herumprobiert aber später war die Illustration auf einem ganz anderen Level. Da waren zwei Monate dazwischen. Ich konnte anhand dieses Projekts eindeutig erkennen, wie sehr ich von den Kursen profitiert habe. Später wurde die Illustration auch publiziert. Der Fortschritt hat mich damals extrem motiviert.

Log Lady BEFORE Log Lady AFTER

Hast du dieses Momentum nutzen können?

Ja, total. Ich war vor illuskills ja nicht zufrieden, wollte etwas verändern und wollte in Richtung "Editorial Illustration". Ich habe an einem Tag ca. 20 Mails an Zeitungen verschickt, wie Initiativbewerbungen. Von "Falter" über "Spiegel" bis zur "New York Times", mit Illustrationen von mir. Um den Fuß in die Türe zu bekommen, habe ich Probeaufträge angeboten und am Tag danach kam schon die erste Antwort von "Addendum" – das Magazin gibt es nicht mehr. So kam aber der fließende Übergang zum "Dossier" Magazin.

Illustration aus Addendum

Seither hat sich alles nach und nach ergeben. Ich arbeite in einem Büro mit anderen Illustrator*innen, da wäscht eine Hand die andere. Man tauscht sich aus oder leitet Aufträge weiter. Ich wollte nicht nur Grafikdesign anbieten – das habe ich geschafft. Ich bin vom Zeichnen zum Grafikdesign gekommen, dann zur Werbung und wieder retour.

Aktuell mache ich jeweils zu einem Drittel Grafikdesign, Illustration und Freelance/Arbeit für Agenturen. Das ist eine gute Mischung, aber es geht überall mehr.

Arbeit & aktuelle Projekte

Illustration aus Dossier

Was meinst du mit "Mehr"?

Das neueste Projekt war die Animation eines Musikvideos der Band "Mario Rom's Interzone".

Grundsätzlich eine schlichte Animation, ein Kollege von mir hat die 3D Effekte gemacht. Ich hatte immer Interesse an Animation, aber eine gesunde Portion Respekt davor. Ich habe auch gemerkt, wieso. – Das Projekt war unglaublich anspruchsvoll für mich. Zeitweise war ich wirklich lost.

Illustration aus "Matala" von Mario Rom’s Interzone

Arbeitest du ausschließlich digital?

Ja. Auch als Kind habe ich nur mit Kugelschreiber gezeichnet. Aquarell und Co. – das war nie meine Welt. Heute versuche ich aber bewusst, das Malerische im Digitalen zu finden. Mehr plastisch – nicht so flächig. Trotzdem ist mein Zugang stets realistisch, gemischt mit meinem eigenen Stil. Ich habe da eine Art kommerziellen Einschlag. Ich male nicht aus der Emotion oder der Fantasie.

Illustration "Erdogan"

Woran arbeitest du aktuell?

Ich kann nur sagen, es geht um die Gestaltung von Plakaten. In die Richtung "Guerilla-Kunst". Das Budget ist zwar recht klein, jedoch habe ich viel Freiheit. Somit hat der Auftrag ein besonderes Flair. Zusätzlich arbeite ich mit dem "Dossier" zusammen.

Ich genieße es, dass ich momentan an verschiedenen Projekten arbeite, mein Beruf ist einfach total facettenreich geworden.

Bleiben wir gleich beim Thema Arbeit. Was würdest du sagen, ist das Beste und Schlimmste an der Arbeit als Illustrator?

Ganz klar. Das Beste ist: Zeichnen. Ich habe zum Beispiel eine Illustration für Red Bull gemacht. Die hat zwar über 60 Stunden Zeit geschluckt, aber ich konnte mich austoben. Das ist für mich auch der Unterschied zum Grafikdesign: Ich habe auch nach Feierabend Lust weiterzumachen, wenn ich auf dem Sofa sitze.

Red Bull Editorial Illustration

Das Schlimmste ist das Thema Bezahlung. Das ist manchmal schwierig. Ähnlich ist es mit Nutzungsrechten oder Stock-Images. Man hat außerdem große Konkurrenz, die sich preislich gegenseitig unterbietet. Man muss sich bewusst sein, es gibt immer Personen, die ihre Leistungen billiger anbieten.

Das darf aber nicht entmutigend ein. Seinen eigenen Wert zu kennen heißt, dass man abwiegen kann. Vielleicht ist die Bezahlung manchmal unbefriedigend, aber man knüpft wichtige Kontakte.

Da muss man im Moment eventuell zurückstecken, damit es zukünftig besser läuft.

Tipps & Tricks

Wenn du Inspiration brauchst woher bekommst du sie?

Wenn ich über Illustrationen stolpere, die mir gefallen, werden die direkt gespeichert. Auch in Computerspielen. Wenn es gefällt – abspeichern, nachzeichnen, probieren. Ganz klar: üben.

Ich habe einen Ordner am Laptop – das ist alles drin. Auch Dinge, die ich nicht kann. Ich setze mir gerne Challenges, das motiviert mich.

Diese Nonne habe ich in einem Zeitungsartikel gesehen. Ich sammle auch Fotos, die ich im Internet finde. Daraus wurde dann diese Illustration.

Du hast es eben angesprochen: Übung und Motivation. Wenn man es gerne macht, macht man es gut. Stimmst du hier zu? Ist das der Schlüssel, nicht aufzugeben?

Schwierig zu beantworten. Das sagen zwar alle coolen Leute immer bei Messen und Vorträgen. Aber es stimmt schon: Wenn man Lust darauf hat, wird man besser und durch Verbesserung kommen Möglichkeiten.

Illustration Nonne mit Katze

Vorwissen ist zweifelsohne die Basis. Ohne Kenntnisse wird es schwer. Man muss die Basics können, die Grundtechniken verstanden haben. Das habe ich über die Jahre gelernt.

Weiterbildung ist auch ein wichtiger Faktor. Darum habe ich so viel aus den illuskills Seminaren mitgenommen. Dort sind Profis, die haben eigene Tipps und Tricks. Man darf nicht scheu sein, zu fragen und sich Hilfe zu holen.

Bist du mit anderen Illustrator*innen in Kontakt? Bist du Teil einer "Creative Community"?

Ja, immer mehr. Man schafft nicht immer alles. Ich weiß, es gibt den monatlichen IlluTisch. Ich weiß auch, dass dort auf jeden Fall Personen sind, bei denen man sich bei einem Bier austauschen kann, aber ich schaffe es nie dorthin. Da könnte ich auf jeden Fall einmal vorbeikommen.

In meinem Büro sind Illustator*innen, also das gilt vielleicht als inoffizielle Community. Ich profitiere auch davon, dass alle ein unterschiedliches Skillset haben. Marion Kamper, eine Kollegin, macht ganz andere Illustrationen als ich und trotzdem können wir einander helfen.

Wenn man in die Szene möchte – Was wäre dein Tipp? Wie starte ich in den Kreativberuf Illustrator*in?

Ich will mich bei euch nicht einschleimen, aber habe das schon oft zu Leuten gesagt: 'Geh zu illuskills'. Es gibt viele Grafiker*innen die in ihrer Jugend viel gezeichnet haben, aber dann davon abgekommen sind. Ich habe das auch gebraucht, vor allem das Erfolgserlebnis nach den Seminaren.

Meine Abschlussfrage: Wo findet man dich, welche Plattformen nutzt du?

Am aktivsten bin ich sicher auf Instagram. Obwohl ich selbst da nicht übertrieben aktiv bin. Ich kenne Illustrator*innen, die machen das fast schon als Nebenjob. Aber ich teile dort sowohl fertiges als auch Work in Progress. Ich teile dort auch Sketches und Spielereien.

Auf meiner Homepage habe ich den professionelleren Auftritt, quasi mein Portfolio. Die dient den Kund*innen und präsentiert meine Arbeiten übersichtlich und kompakt.

Danke für das Gespräch und deine Bereitschaft, mit mir zu plaudern.

Sehr gerne, danke dir.